Wie ich mich dazu entschied Mutter zu werden!

Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, in der mich der Gedanke an ein eigenes Kind nicht mehr losließ. Wie ich an manchen Stunden am Tag gedankenverloren über meinen Bauch streichelte. Es war zu einer Zeit, in der ich mich mit meinem Leben im Umbruch befand. Ich selbst stand mit 25 Jahren kurz vor der Beendigung meiner ersten Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin. Die Partnerschaft mit meinem Freund festigte sich zunehmend. Das Leben schien alles zu bieten, was man zum glücklich sein braucht. Wie wir Menschen so sind, können wir das Glück schwer ertragen. Ich strebte nach mehr. Wollte noch glücklicher sein. Vor allem aber wollte ich die Beziehung zu meinem Freund auf eine neue Ebene heben. Gemeinsam sollte unsere Liebe das i-Tüpfelchen aufgesetzt bekommen.

Wann ist der richtige Schritt für diese eine Entscheidung?

Ich würde sagen, nie! Wir überlegten. Sprachen miteinander. Doch so recht wollten sich unsere Bedürfnisse nicht aufeinander abstimmen lassen. Ich wollte. Er wollte noch lange nicht. Als ich diesen innigen Wunsch gerade zur Seite gelegt hatte, passierte es. Ich wurde schwanger.

In der folgenden Zeit brachten wir schwierige Monate hinter uns. Gemeinsam mussten wir uns der Realität Eltern zu werden langsam annähern. Mir fiel es leichter, weil ich bereit war. Ich sehnte mich im Innern nach Ruhe. Es fühlte sich an, als ob ich die Freiheit des Lebens lang genug ausgekostet hatte. Für meinen Freund war die Situation schwieriger. Er stand vor dem Beginn einer neuen Ausbildung. Wir suchten uns Hilfe. Pro Familia und etliche weitere Beratungsstellen der katholischen Kirche sind gute Anlaufstellen, um sich als Familie zu finden. Für mich war klar: mit der Entscheidung Mutter zu werden, würde sich mein ganzes Leben auf den Kopf stellen. Aber ich war nicht bereit, die Liebe meines Lebens auf diesem Weg zu verlieren.

Erst durch ihn. Durch diese tiefe Liebe zu einem anderen Menschen, die nicht meinen Eltern galt, erwachte erst der unstillbare Wunsch nach einem Baby.

Ich sehnte mich nach einem gemeinsamen Kind, dem wir als Paar eine Zukunft schenken durften. Meine Träume waren voll von einem kleinen Wesen, dem ich meine Hand reichte. Unser Baby sollte unsere Welt mit all seiner Neugier auf das Leben entdecken dürfen. Wir Menschen sind so vorbelastet von unseren Erfahrungen, tiefen Enttäuschungen, dass wir die Farben der Welt längst nicht mehr erkennen. Ich sehnte mich danach einem Kind, meinem Kind, die Hand reichen zu dürfen. Nur ein kleines Stück seines Weges wollte ich ihn begleiten.

Gott sei Dank dauert so eine Schwangerschaft volle 10 Monate. Genug Zeit um sich als Paar neu kennenzulernen. Herausforderungen neu zu meistern und mit auf dem anderen auf eine neue Ebene zu steigen. Ich gebe zu, die Stufen waren oftmals ziemlich wackelig. Am Ende haben wir es gemeistert.

Unser Sohn wurde geboren.

Das Leben, welches wir kannten, existiert seitdem nicht mehr. Es ist, um es mit den Worten von Astrid Lindgren auf den Punkt zu bringen: “Frech, wild und wunderbar”. Niemals hätte ich in meiner Schwangerschaft daran geglaubt, dass es gleichermaßen anstrengend, wie wunderschön sein kann. Das Leben als Mutter verlangt mir einiges ab.

Es gibt Tage, an denen ich abends zu erschöpft um bin, um auch nur einen Satz von mir zu geben. Es gibt Tage, an denen ich sogar zu müde bin um überlebenswichtigen Sauerstoff in meine kleinen, müden Zellen zu bringen. Das Atmen fällt mir schwer.

Niemals hätte ich einen Gedanken daran verschwendet, welche Sorgen mit der Geburt meines Kindes in mir hervor kriechen würden. Dass Sorgen, wie man sie als Frau ohne Kinder kennt, nicht im Geringsten mit Sorgen zu vergleichen sind, die das eigene Kind betreffen. Es gibt unendlich viele Situationen, Momente und Erlebnisse, die ich in dieser Art und Weise niemals für möglich gehalten habe.

Von morgens bis abends beschäftige ich mich zu 80 Prozent mit Banalitäten.

Aber auf mein Leben gesehen? Ist es das Beste, was mir je passiert ist. Ich liege abends auf der Couch, viel zu kaputt um auch nur noch einen Schritt zu gehen, oftmals bespuckt mit ein wenig Babykotze und ja, es ist das Beste, was ich je erlebt habe.

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Es ist mein “Ja” ans Leben.

Es fühlt sich an, als wäre ich ankommen. Im Leben, im Hier und jetzt. Alles, was vorher so kompliziert erschien, ergibt heute einen Sinn. Nicht morgen, nicht gestern – heute. Das ist es, was zählt! Heute.

Das habe ich gelernt: Heute nehme ich meine Kinder an die Hand. Nein eigentlich nehmen sie mich an die Hand. Sie zeigen mir alles, was Menschen zum glücklich sein brauchen. Das Zeit keine Wertung in ihrer zauberhaften Welt zu haben scheint. Die bunten Blätter des Herbstes wertvoller sind als das teure Auto aus dem Spielzeugwarenladen. Sie lehren uns das Wesentliche vom Unwichtigen zu unterscheiden. Ich erkläre ihnen das Banale, wie alles entstand, den Lauf der Zeit. Sie erklären mir das Wesentliche, die kleinen Momente! Das alles vergänglich ist, außer unsere Spuren, die irgendwann einmal daran erinnern werden, dass wir hier eine kurze Zeit zu Besuch sein durften.

Damals wurde die Sehnsucht nach einem gemeinsamen Kind hart auf die Probe gestellt. Heute hat sich gezeigt: Unsere Träume lohnen sich. So klein sie auch sind. Wir müssen stets den Mut haben an sie zu glauben.

Träumst du noch, oder spielst du schon?

Eure Alina

PS: Inzwischen habe ich bereits zweimal geträumt ;) Das ist aber wieder eine neue Geschichte.

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Kommentare

Eine sehr rührende Geschichte, die das Leben spielt.
Wünsche Euch viele Glückliche Jahre!

Beate F.
    Alina Stiehm

    Liebe Beate,

    vielen Dank für Deinen lieben Kommentar. Das Glück nehmen wir sehr gerne an :)

    Alles Liebe auch an Dich, Alina!

    Alina Stiehm

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