Reisen mit Kindern – Nützliche Erfahrungsberichte einer zweifachen Mama

Eine Familienreise sollte ein Grund zur Freude sein. Warum müssen dann so viele Familien im Vorfeld ausreichend Freiraum für Nervenzusammenbrüche schaffen? Oder liegt das Ganze nur an der schlechten Planung?

Dabei fängt die ganze Krux bereits mit der Hürde des richtigen Fortbewegungsmittel an: Auto, Zug oder vielleicht doch besser Fliegen? Und wie kriegt man lange Reisezeiten mit Kindern einigermaßen sinnvoll überbrückt?

Meine persönlichen Tipps und Tricks für eine angenehme Reise mit Kindern

Seitdem mein Sohn auf der Welt ist, verreise ich gerne mit ihm gemeinsam. Schon recht früh ist mir klar geworden, dass ich ihm die Welt zeigen möchte. Ihm und mir die Welt zeigen möchte, denn bisher habe ich nicht viel von ihr gesehen. Wir nutzten bereits meine Elternzeit, um uns verschiedene deutsche Städte anzuschauen. Hin und wieder fuhren wir nur ein paar Tage. Ab und zu etwas länger. Mal mit dem Auto, oft aber auch mit dem Zug. Bei all diesen Reisen habe ich eins für mich mitgenommen: Eine gute Planung ist nicht alles, aber sie erleichtert dir deine Reise um einiges.

Es kam oft vor, dass wir morgens gemeinsam aus dem Bett gefallen sind, während die Zugtickets noch selig in meinem PC schlummerten. Nicht selten kam es vor, dass zwei Stunden vor der Abreise nicht einmal mein Koffer gepackt bereit stand. Eigentlich brachte mich nichts aus der Ruhe.

Alles eine Frage der Ansichtssache

Für mich gehörte der positive Stress zu unserem Gefühl der Freiheit dazu. Doch spätestens im Bahnhof, wenn noch Gleis und Abteil recherchiert werden mussten ging mein Herz mit mir durch. Irgendwann so schlimm, dass ich mich ein für alle Mal dazu ermahnen musste, meine Reisepläne ordentlicher zu gestalten. Mir frühzeitig über unser Beförderungsmittel bewusst zu sein UND die Sachen abends fertig gepackt zu haben.

Heute mache ich es so, dass wenn ich so viel Flexibilität auf meinen Reisen genießen möchte und sie mit dem Auto erreichbar sind, ich dieses bevorzuge.

Der große Vorteil am Auto ist es, dass man unabhängig ist. Zeitpunkt der Abfahrt, der Pausen, der Heimkehr sind von der eigenen Planung abhängig. Zudem braucht man am Urlaubsort/Erholungsort selbst kein anderes Beförderungsmittel.

Das Auto

Neben dem Punkt, dass mit einem Auto kein zusätzlicher Mietwagen gebucht werden muss, ist unser Hauptgrund, bei unseren Reisen aufs Auto zu setzen der, dass unser Reisegepäck sehr individuell gepackt werden kann. Unsere längste Strecke mit dem Auto führte uns nach Südfrankreich. In unserem Familienauto fanden Strandmuschel und Strandzelt einen kuscheligen Platz. Optional, wenn nicht ausreichend Platz vorhanden ist, können Dachboxen als zusätzlicher Stauraum anmontiert werden.

Inzwischen ist das Auto mit zwei Kindern mein Beförderungsmittel der Wahl.

  • – Die Familie ist auf der Reise selbst herrlich flexibel mit Zwischenstopps.
  • – Die Reiseroute liegt in der Hand der jeweiligen Familie.
  • – Ausreichend Stauraum ( Nicht nur für einen Koffer pro Person).
  • – Es gibt viele Beschäftigungsmöglichkeiten für die Kids: Ich sehe was, was Du nicht siehst.
  • – Überraschungsreisetüte mit Spielen und schönen Ideen.
  • – Es wird kein Mietauto im Urlaub benötigt.

Fliegen mit Kindern

Und Fliegen mit Kindern? Finden viele noch sehr beängstigend. Ist aber ehrlich gesagt im Bezug zum Komfort, dicht gefolgt vom Reisen mit dem eigenen PKW, mein Lieblingsfortbewegungsmittel. Eigentlich finde ich sogar Fliegen um einiges entspannter. Nur leider kann man in diesem Fall nie einen Campingurlaub oder Selbstversorgerurlaub mit Kindern in die Tat umsetzen. Es sei denn, man kauft sich vor Ort alles neu. Oder hat bereits alles da und leiht sich ergänzend ein Fahrzeug plus Kindersitze und allem Drum und Dran.

Geht es ins Hotel mit vielen Anbindungen ist das Fliegen sicherlich eine schöne Alternative. Es ist wirklich stressfrei. Zumindest habe ich es so empfunden. Das Gepäck wird gleich zu Beginn abgegeben. So hat man die Hände zum Shoppen im Duty Free-Bereich frei.

Den Kinderwagen für das Baby durften wir bis vor dem Eingang des Flugzeugs behalten. Von dort aus hat ihn ein netter Mitarbeiter unmittelbar in den Frachtraum verladen. Super praktisch! Wirklich. Zudem sind beim Fliegen alle wirklich sehr nett. Der Große hatte seinen eigenen Sitzplatz am Fenster. War gut beschäftigt durch den Start und die Essenstüten, die während des Fluges verteilt wurden.

Das Baby wurde beim Start und bei der Landung gestillt und hat somit auch fast nichts davon mitbekommen. Die restliche Zeit verbrachte sie, dank eines ergänzenden Sicherheitsgurts auf meinem Schoß. Es besteht auch die Möglichkeit einen Autositz mit ins Flugzeug zu nehmen. In diesem Fall müsst ihr den Sitz vorher anmelden und das Stillen klappt vielleicht auch nicht so unproblematisch als Druckausgleich. Es ist aber eine Option.

Nichts desto trotz gilt: Wenn ihr Fragen habt, ruft bei der Fluggesellschaft an. Informiert euch vor Ort und nehmt euch ein paar Minuten mehr Zeit, um am Check-in vielleicht alle Fragen zu klären, die ihr noch auf dem Herzen brennen habt. UND ganz wichtig, wenn ihr euch für das Fliegen entscheiden solltet, brauchen eure Kinder – egal wie alt sie sind – einen gültigen Reisepass. Auch in der EU.

Wir durften, da ich das leider nicht wusste, fast nicht fliegen. Zum Glück trafen wir auf ein sehr nettes Check-in Fachpersonal, bei welchem ich die Kinder mit ihrer Krankenkassenkarte ausweisen durfte. Es war aber nur eine absolute Ausnahme. Besser, ihr kümmert euch gleich um einen Reisepass.

Alles auf einen Blick

  • – Reisepass für die Kids.
  • – Babys dürfen auf den Schoß eines Erwachsenen mit extra Gurt, der vor dem Start von der Stewardess überreicht und erklärt wird.
  • – Gepäck wird bereits bei der Ankunft am Check-in aufgegeben.
  • – Kinderwagen kann bis zum Boarding mitgenommen werden.
  • – Personal ist super freundlich zu Kindern.
  • – Fliegen ist richtig spannend für die Kleinsten.
  • – Stillen hilft beim Druckausgleich.
  • – Kilogrenze vom Handgepäck ist je nach Fluglinie unterschiedlich.
  • – Bei Unstimmigkeiten oder Unsicherheiten immer direkt die Airline kontaktieren.

Und wie reist es sich mit dem Zug als Familie?

Ganz ehrlich? Es ist nicht mein Fortbewegungsmittel der Wahl mit Kindern. Oft genutzt, aber leider immer mit Bauchschmerzen. Es gibt zwar inzwischen die Möglichkeit, ein extra Familienabteil zu buchen, trotzdem ist es: Erstens super schwierig eins zu bekommen und zweitens ändert es nichts an der Tatsache, dass Familien beim Ein- als auch Ausladen einen Sprint hinlegen müssen, um in den Zug zu kommen.

So oft stand ich schon nassgeschwitzt mit Sack und Pack, Kinderwagen und Kleinkind auf dem Arm, ohne dass sich auch nur ein Mensch um mich herum angesprochen fühlte uns dabei behilflich zu sein in diesen Zug zu kommen. Gefühlte zwei Sekunden später trillerte bereits die Pfeife des Schaffners, die uns signalisierte, dass es gleich weitergehen würde.

Mit hochrotem Kopf und Panik im Nacken schmiss ich alles in den vor mir stehenden Zug, als würde es um mein Leben gehen. Nebenbei versuchte ich, mein Kind möglichst gut im Auge zu behalten.

Ist man erst einmal mit allem Drum und Dran im Zug drin ist das ganze Drama allerdings noch lange nicht vorbei. Es gilt:

  • – Sein Abteil zu finden, falls man einfach blind irgendwo eingestiegen ist, aus Angst, der Zug könnte jeden Moment weiter fahren, wenn ich draußen weiter nach dem richtigen Abteil schaue.
  • – Nach dem Suchen des Abteils folgt der Sitzplatz.
  • – Der Kinderwagen muss verstaut werden.
  • – Steigt man irgendwo auf der Fahrt dazu, heißt es nun auch noch, sein Gepäck im meist schon vollen Zug unter zu bringen.

Ihr seht, für mich ist es keine komfortable Reisemöglichkeit mit Kind. In einem Familienabteil: Okay, kann man drüber sprechen. Als Einzelperson auch wirklich hübsch. Inzwischen gibt es in den ICEs sogar WLAN. Man kann die Zeit also zum Beispiel zum Arbeiten nutzen.

Das Personal ist ebenso wirklich kinderfreundlich. Nur der Stress vor und nachher, den überlebe ich nicht mehr. Aus diesem Grund – gerne alleine, aber nicht mehr mit Kind und schon gar nicht mit zweien.

Das war es von mir und unseren Reise-Erfahrungen.

Am Ende bleibt mir persönlich nur noch zu sagen, egal für was ihr auch entscheidet: Ich wünsche euch eine herrliche Zeit! Und kommt gesund und munter wieder!

Bis bald, eure Alina!

 

 

Kommentare

Christian Meyn

Hallo Alina,
Reisen im Zug ist mit Kindern und mittleren Gepäckmengen mein absoluter Favorit. Man kann aufstehen und herumlaufen (im Flugzeug schwierig, im Auto unmöglich). Wenn man rechtzeitig einen Tisch bucht, ist es im ICE sehr bequem, und es gibt Strom fürs Tablet. Damit sind wir zwar sonst etwas zurückhaltender, aber ehrlich gesagt gibt es zur Familienunterhaltung unterwegs neben Büchern nichts Besseres und da kenne ich dann auch keine pädagogischen Grenzen. Die Kids müssen ja nicht die ganze Zeit Barbapapa schauen, es gibt auch viele tolle Spiele, die man gemeinsam spielen kann. Unverzichtbar: Kopfhörer für alle und ein entsprechender Verteiler für die Kopfhörer-Buchse, dann geht man auch niemanden auf die Nerven. Und die umweltfreundlichste Variante ist das Bahnfahren in jedem Fall!
Gute Reise,
Christian
PS: Ich habe noch nie erlebt, dass beim Ein- oder Aussteigen keiner hilft, wenn man fragt – viele Leute trauen sich allerdings nicht, das von sich aus anzubieten. Wenn man dem Zugbegleiter rechtzeitig Bescheid gibt, ist der beim Aussteigen auch behilflich. Und kein Zug fährt los, so lange noch jemand mit dem Einsteigen beschäftigt ist – den Pfiff hörst Du nur von innen. ;-) Nur Mut!

Christian Meyn
    Alina Stiehm

    Hey Christian,

    wie lieb von Dir, mir nochmal Mut zuzusprechen. Allerings kann mich das Reisen mit Zug und Kindern – sprich Kinderwagen und..und..und.. noch nicht überzeugen :) Ich denke, wenn die Kids etwas größer sind bestimmt wieder, aber mit so viel Gepäck und kleinen Kids, das ist mir zu viel Adrenalin in einem kurzen Moment.

    Ich werde Deine Worte aber in positiver Erinnerung behalten und es bei Gelegenheit noch einmal probieren.
    Liebe Grüße

    Alina Stiehm

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