Familienplanung

Familienplanung. Eigentlich eine private Angelegenheit – so sollte man zumindest meinen. Wenn ich mich allerdings im Freundes- und Bekanntenkreis umhöre, dann begegnen mir da zum Teil die wildesten Geschichten. Ein Babybauch, Kinder und das Thema Familienplanung scheinen heutzutage oftmals zur öffentlichen Angelegenheit zu mutieren, zu der jeder ungefragt seine Meinung kundtun darf.

Kaum ist man verheiratet, wird einem unter Umständen in kürzester Zeit immer wieder die indiskrete Frage gestellt: „Und?! Ist schon Nachwuchs unterwegs?“

Diese Frage kann einen schon ganz schön unter Druck setzen, denn frisch verheiratet möchte man vielleicht erst einmal den neuen Lebensabschnitt mit seinem Partner genießen, zusammen verreisen, sich räumlich vergrößern und als Mann und Frau zusammenwachsen. Es gab für mich damals nach der Hochzeit mit meinem Mann einiges, was ich geplant hatte, aber um ganz ehrlich zu sein, zählten da im ersten Moment noch keine Kinder dazu.

Als ich dann schwanger wurde, bekam ich ungefragte Ratschläge, welcher Altersabstand zwischen Kindern perfekt sei. Ich war völlig überrumpelt und zugleich überfordert. In mir wuchs unser erstes Kind heran und schon bekam ich die ersten Tipps für die perfekte Familienplanung. Nachdem unsere erste Tochter Lotta vor nun fast drei Jahren nach einer zugegen nicht ganz komplikationslosen Geburt zur Welt kam, waren mein Mann und ich wohl die glücklichsten Menschen und haben besonders die erste Zeit als kleine Familie in vollen Zügen genossen. Es war unbeschreiblich schön. Der Lebenswandel war enorm, aber wir fanden recht schnell in unseren neuen Alltag und waren zufrieden.

Kaum war unsere Tochter ein halbes Jahr alt, schon kam die Frage nach einem Geschwisterchen auf. Zu diesem Zeitpunkt war das für meinen Mann und mich noch kein Thema und trotzdem machten wir uns unweigerlich Gedanken.

Als Lotta 22 Monate alt war, kam unser zweites Kind, unsere Tochter Carla zur Welt. Zu diesem Zeitpunkt wurde mein Mann das erste mal bemitleidet, da er jetzt drei Frauen Zuhause habe. Völlig deplatziert und unnötig. Wir waren glücklich. Für uns war unsere Familie perfekt genau so wie sie war.

Ab der Geburt von Carla begegneten mir immer wieder Kommentare wie: „Nur 22 Monate auseinander? Das ist aber sportlich.“ oder: „Also ich hätte das zweite Kind nicht so schnell bekommen. Zwei unter zwei ist ja schrecklich.“

Das waren nur einige der doch sehr verletzenden Kommentare.

Noch schlimmer empfand ich seither Sprüche wie: „Aber die Familienplanung ist doch wohl jetzt abgeschlossen?!“ Oder: „Jetzt passt aber keiner mehr an den Tisch. Nachlegen dürft ihr jetzt nicht mehr.“

Tja, was soll ich sagen?!

Das tun wir! Wir erwarten unser drittes Kind Ende Februar 2018 und sind überglücklich. Der Altersabstand zwischen unserer zweiten Tochter und unserem ersten Sohn wird keine 18 Monate betragen. Aber für uns als Familie ist das einfach perfekt und wir sind so unbeschreiblich dankbar für dieses große Glück.

„War das geplant?!“

Diese Frage lächeln wir einfach weg und sind voller Vorfreude und Neugier auf unseren Sohn!

Abschließend möchte ich einmal sagen, warum ich persönlich diese Kommentare und Fragen oftmals als sehr indiskret, unhöflich und respektlos empfinde.

Es gibt Paare, die sich bewusst gegen Kinder entscheiden. Es gibt Paare, bei denen ein großer Kinderwunsch besteht, aber es einfach nicht klappen will. Es gibt Paare, die möchte nur ein Kind. Es gibt Paare, die möchten zwei Kinder. Es gibt Paare, die möchten drei Kinder. Es gibt Paare, die wissen nicht wie viele Kinder sie haben möchten (und wenn man ehrlich ist, dann weiss man, dass man das auch nie ganz genau planen kann!).

Es ist einfach ein sehr sensibles und vor allem privates Thema. Lieb gemeinte Ratschläge sind daher manchmal völlig fehl am Platz, besonders dann, wenn sie ungefragt daher kommen. Wichtig ist, das jede Familie mit ihrer Familienplanung glücklich ist – egal wann, egal ob, egal wie viele, egal mit welchem Abstand man die Kinder bekommt.

Bis bald

Eure Sarah

 

 

Kommentare

Du sprichst mir aus dem Herzen. Ich habe auch schon mit solchen Kommentaren von den lieben Mitmenschen zu kämpfen gehabt. Ich habe vier Kinder. Wir wollten es so. Das ist ein großer Schock für die meisten Menschen! Ich bin durchaus der Meinung, dass man nicht einfach wahllos Kinder in die Welt setzen sollte, aber die Rentnerin in der Großstadt kann sicher nicht beurteilen, wie unser (Land-)Leben aussieht. Sie kann nicht wissen, dass jedes Kind ein Zimmer hat. Dass wir es uns tatsächlich leisten können. Dass es unseren Kindern gut geht. Dass sie gefördert werden und ihre Hobbies ausleben dürfen. Trotzdem bekommt man fiese Kommentare. Meine Kinder mussten noch nie mit abgetragenen Kleidern oder Schuhen aus dem Haus gehen. Sie sind gekämmt und gewaschen und wenn wir unterwegs sind, haben wir Spaß miteinander und sind glücklich. Aber man bekommt ganz schnell einen Stempel aufgedrückt. Inzwischen sage ich schon, dass die zweite Hälfte der Kinder zu Hause ist. Oder frage die Leute, ob sie bei der Planung der nächsten vier vielleicht ein Mitspracherecht möchten? Dann sind immer alle total entsetzt über so eine „Dreistigkeit“. Tja….über die eigenen Dreistigkeiten denkt man dann immer nicht so gerne nach.

Elli

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