Das letzte Baby: Wenn die Kinderplanung abgeschlossen ist

Für mich war nie so richtig klar, ob und wie viele Kinder ich eigentlich haben möchte. Als ich mein erstes Kind letztendlich auf dieser Erde willkommen heißen durfte, war mir zumindest schnell klar, dass ich davon noch jede Menge mehr haben wollte.

Die erste Zeit mit meinem Sohn war atemberaubend. Schön, intensiv – eine Zeit, die sich wohl jede Mama wünscht. Ich hab es genossen. So sehr, dass ich irgendwann beinah das Gefühl bekam, mir würde langweilig mit ihm allein. In mir reifte ein Wunsch, eine Sehnsucht nach einem neuen Baby.

Einem Wesen, das ich wieder so sehr lieben durfte wie bereits meinen Sohn. Schon damals eckte ich mit diesem Wunsch zu Hause an. Mein Partner war bei unserem ersten Kind noch nicht bereit dazu. Es war, wie man so schön sagt, ein Unfall.

Eine neue Herausforderung

Als er dann da war, schien die Zeit uns in die Karten zu spielen. Wir wuchsen in die Rolle als Mutter und Vater förmlich hinein. Es schweißte uns zusammen. Doch noch eins? Er wusste es nicht. Für mich war währenddessen klar, ich wollte dieses Familiending. Noch ein Kind mit genau diesem Partner. Ich schaffte es, ihn zu überreden.

Der kurze Altersabstand. Die Vorzüge von zwei Kindern. Einmal alles auf einen Schlag. Doch irgendwie schien dieser Deal ein wahrer Henkers-Deal zu werden. Im Grunde willigte ich ein: Dieses noch und dann war es das. Meine Ängste und Sorgen schob ich auf die lange Bank, denn da war es nun. Das zweite Baby, welches ich mir so sehr gewünscht hatte. Ein dünner Strich auf meinem Schwangerschaftstest. Sehnsüchte, die endlich einen Namen trugen.

Ich genoss meine zweite Schwangerschaft. Mir ging es gut, sehr gut sogar. Ich tat alles, um jeden Tag in all seiner Fülle auskosten zu können. Die zu sein, die mein Partner so sehr liebte, um der Realität nicht in die Augen schauen zu müssen. Um ihn vielleicht doch noch einmal umstimmen zu können. Ich schuf Erinnerungen, die er vielleicht ein weiteres Mal mit mir erleben wollte.

Ich versuchte alles, um nicht daran denken zu müssen, dass diese Schwangerschaft wohl meine letzte gewesen sein würde.

Dann die Geburt, eine Erfahrung die beim letzten Mal sehr traumatisch für alle Beteiligten gewesen zu sein schien. Ich blieb stark. Kämpfte, um wieder einmal zu zeigen, ich schaff das. Du kannst dich auf mich verlassen. Babys sind etwas Feines. Ich wollte ihn nicht mit in die Verantwortung ziehen. Zu groß war stets meine Angst, es könnte das letzte Wunder meines Lebens gewesen sein. Zu jedem Zeitpunkt meines Lebens spürte ich, dass ich noch nicht bereit dazu war meinen Kinderwunsch als beendigt ad acta zu legen. Für mich war es ein weiteres Kind, aber nie das letzte.

Ein „Nein“ für immer

Als ich mein zweites Kind nach einem langen Weg endlich in den Armen hielt, spürte ich bereits schon wieder diese Sehnsucht nach mehr. Nach noch einem weiteren Baby. Ich wollte nicht, dass es hier endete. Also sprach ich es aus. Das, was ich schon so lange innerlich mit mir herumtrug. Ich ließ meine größte Angst Realität werden. „Ist sie nicht wunderschön, mein Schatz? Könntest du dir das alles hier nicht auch noch hundert weitere Male vorstellen?“

Seine Worte zerfetzen alles, was an Hoffnung in mir noch übrig geblieben war. „Nein, mein Schatz, genieß es! Es wird wirklich dein letztes Baby gewesen sein.“

Mit diesem Satz nahm ich einen tiefen Atemzug ihres duftenden, neugeborenen Haares in mich auf und zerbrach. All die schönen Monate, die hinter mir lagen. All das, was was nun vor uns liegen würde. All das Vollkommene – es sollte wirklich alles zum letzten Mal sein?

Ich bin so ein Mensch, je unbeschwerter etwas ist, desto mehr genieße ich es. Je mehr ich allerdings weiß, dass es das letzte Mal sein soll, desto anstrengender wird es für mich. Vielleicht ertrage ich die Reinheit nicht. Das Schöne, wenn ich weiß, dass ich es nie mehr erleben darf. Vielleicht mache ich es mir extra schwer, um später einmal selbst sagen zu können: zwei Kinder reichen tatsächlich vollkommen aus.

Seit neun Monaten lebe ich in einer Welt, die ich als anstrengend und stressig empfinde. Ich versuche verkrampft alles, was sich vor mir auftut zu genießen. Doch am Ende eines Tages will dieses beklemmende Gefühl, dass es das letzte Mal sein wird, einfach nicht von mir verschwinden.

Statt all das zu genießen, ist es belastend. Ich kann nicht akzeptieren, dass wir nie wieder ein gemeinsames Baby bekommen werden. Statt darüber zu sprechen wie schlimm zurzeit alles ist, will ich mit ihm über die Zukunft sprechen. Über unsere weitere Familienplanung. Über die Kinder, die noch nicht da sind und ob die vielleicht ganz anders werden. Ich will weiter machen mit uns und unserer Familie. Ich möchte meine Schwangerschaftsklamotten ansehen und mir denken: irgendwann wieder. Ich möchte mein Baby anschauen und mir vorstellen dürfen, dass wir irgendwann wieder so etwas Kleines bei uns aufnehmen werden.

Ich kann es nicht ertragen und doch bleibt es so!

Ich kann es nicht ertragen, dass all das, was mich komplett macht, glücklich macht, für immer ein Teil der Vergangenheit sein wird.

Doch am Ende entscheiden sich immer zwei für ein Kind. Ganz egal, wie einer der beiden sich am Ende mit dieser Entscheidung fühlt. Ich muss lernen mit diesem „Nein“ zu leben. Ganz egal, was es mit mir macht.

 

 

Kommentare

Ich kann die Gefühle nachempfinden. Der Gedanke und die Sehnsucht nach einem dritten Kind schien nicht zu weichen. Mein Mann blockte stets ab und dachte wohl, dass es nur so dahin gesagt wäre. Und dann unterhielten wir uns Silvester 2015 auf 2016… Sehr lange. Die Entscheidung ist gefallen. Im Januar diesen Jahres kam nach 2 Söhnen unsere erste Tochter.
Kurz darauf ging mein Mann zur Sterilisation.
Paff… Tür zu! 3 gesunde Kinder sind völlig ausreichend, doch der Gedanke, nach diesem Baby wird es keins mehr geben, ist irgendwie merkwürdig. Ich werde mich schon daran gewöhnen…. Irgendwann! 😉

Das Mutterschiff
    Alina Stiehm

    Liebes Mutterschiff,
    dieser Gedanke „nie wieder“ ist einfach irgendwie merkwürdig, aber ich denke, auch Ich werde mich bald dran gewöhnen und vielleicht wird die Zeit ja doch noch ein Wunder bereit halten. Wer weiß das alles schon. Wichtig ist nur, dass wir lernen das Hier und Jetzt zu genießen. Alles andere wird sich schon richten.

    Ich wünsche Euch 5, alles, alles Gute für die Zukunft!
    Deine Alina

    Alina Stiehm

Ich finde deine Einstellung fast schon bedenklich! Schlimm wenn du dein JEZIGES Baby nicht genießen kannst. Oder auch das du bei der Geburt dachtest du müstest stark sein wegen deinem Partner, das ihm nicht die Lust an Babys vergeht??? Das solltest du dir mal durch den Kopf gehen lassen! Es geht dir nicht um dein Kind sondern ums schwanger sein, um das Baby halten, das Baby riechen. Hör dir doch selber mal zu, in deinem Bericht geht es nur um DICH!!! Das ist deinem schon existierenden Kindern und deinem Partner gegenüber sehr egoistisch. Ich war auch super gerne schwanger und habe diese sehr genossen. Und ich habe mit dem Gedanken gespielt jetzt wieder schwanger zu werden für unseren Sohn, das er nicht als Einzelkind aufwächst. Aber wir haben uns dagegen entschieden, da es so wie es jetzt ist wunderschön ist. Wir drei als kleine Familie. Und der ausschlaggebende Part dabei war mein Mann, und das ist ok ich akzeptiere seine Wünsche, weil eine Partnerschaft passiert nämlich auf geben und nehmen. so ein Druck auf deinen Mann kann schnell nach hinten los gehen! Lass los und genieße deine Kinder und deinen Partner!

Claudia
    Alina Stiehm

    Liebe Claudia,

    ich habe etwas den Eindruck, dass meine Worte bei Dir einen falschen Eindruck erweckt haben. Mir persönlich geht es, um das Gefühl „nie wieder“. Das fühlt sich komisch an. Ich genieße, die Zeit mit meinen Kindern einfach viel zu sehr. Vor allem auch mit meinem Sohn, der inzwischen schon fast 4 Jahre alt ist. Er ist lange kein Baby mehr. Ich liebe dieses ganze Familiending. Wirklich alles. Mein Baby zeigt mir nur jeden Tag, wie sehr und das tut manchmal weh, wenn man sich eingestehen muss, dass man sie noch viel mehr genießen muss, da es das letzte Baby sein wird. Ich gebe jeden Tag alles für meine Familie, also geht es hier um weit mehr, als nur um mich. Es geht um uns und meine Wünsche in diesem Zusammenhalt, die auch wichtig sind. Am Ende wird die Zeit alles richten, das weiß ich. Danke für deinen Anreiz zum Nachdenken.

    Ich wünsche Dir und deiner kleinen Familie alles erdenklich Gute,

    liebste Grüße Alina

    Alina Stiehm

Ja das geht mir genau Sohn meine 3 Tochter im März bekommen und mich gleich werden dem ks sterilisieren lassen und jetzt rast die zeit vorüber und wenn ich schwangere Frauen sehe denke ich immer an die schöne Zeit zurück und da wird mir bewußt das ich es nie wieder erleben darf und das tut etwas weh aber die zeit wird alle Wunden heilen und jetzt warte ich eben wenn irgend wann eins von meinen 3 kommt und mich zur Oma macht

Grashüpfer
    Alina Stiehm

    Liebe Grashüpfer,
    du sprichst mir aus der Seele, die Zeit wird es schon richten. Irgendwann wird sich alles fügen. Ich mag nur nicht diese Endgültigkeit. Ich denke aber auch es wird sich mit der Zeit legen. Ich wünsche Dir für deine Zukunft alles Liebe.

    Liebste Grüße, Alina

    Alina Stiehm

Hallo Alina, ich wusste schon sehr früh, dass ich eine Familie mit zwei Kindern wollte. Nummer eins kam recht früh, mit nicht ganz 20. Wir haben die Zeit zu dritt genossen. Da ich/ wir jedes Kind genießen wollten, entschieden wir uns für einen größeren Abstand. Die ganze Planung, die Schwangerschaft und alles drumherum haben wir so genossen, immer mit dem Gedanken… das letzte Mal. Irgendwie genießt man dann bewußter. Als mein 2. Kind auf die Welt kam war ich 26. Alles super! Und dann mit 33 …plötzlich gab es von mir einen unheimlich starken Wunsch nach Kind Nummer 3. Zuerst kein Thema für meinen Mann… viele Gespräche und einige Jahre später bekam ich mit 36 mein 3. Kind. Ich kann nicht beschreiben wie schön jede Sekunde der Schwangerschaft, der erste Moment wenn man sein Kind im Arm hält ist… Fakt ist , egal für wie viele Kinder man sich entscheidet, so gerne man manchmal die Uhr anhalten oder sogar zurück drehen möchte, wir müssen lernen den Moment zu genießen 😊

Ich
    Alina Stiehm

    Liebes Ich,

    irgendwie macht mir Dein Kommentar Mut, auch wenn es am Ende nur bedeutet, dass wir den Moment genießen. Es ist schön deine Zeilen gelesen zu haben. Danke dafür!

    Liebste Grüße, Alina

    Alina Stiehm

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