Babys tragen oder doch lieber schieben?

In den letzten Jahren nimmt die Zahl der Trageeltern immer weiter zu. In dem Stadtteil, in den ich vor vier Jahren gezogen bin, gab es damals kaum Mütter und Väter, die ihre Kinder in Tragetüchern oder Tragehilfen trugen. Kinderwagen hingegen sah man viele. Heute ist es ein ganz anderes Bild, viele Eltern sind heute ohne Kinderwagen unterwegs.

Natürlich stellt sich da oft die Frage: Was ist besser, das Baby zu tragen oder es im Kinderwagen zu schieben?

Schönster Ort der Welt

Für die meisten Babys ist es der schönste Ort der Welt – warm eingekuschelt bei der Mama, direkt vor dem Herzen. Viele Kinder schlafen hier gerne und ruhig. Später, wenn sie größer sind, schauen sie heraus und lernen die Welt von diesem sicheren Ort aus kennen. Das Tragen von Babys stillt ihr Grundbedürfnis nach Nähe und Geborgenheit. Für sie gibt es kein vertrauteres Geräusch als den Herzschlag der Mutter. Wenn das Baby so fest bei der Mama an die Brust gekuschelt schlummert, kann es dieses Geräusch, ganz ähnlich wie im Bauch, hören.

Die Vorteile des Babytragens für die Eltern liegen auf der Hand

Man hat die Hände frei und weiß das Baby immer in Sicherheit. Insbesondere wenn es größere Geschwisterkinder gibt, ist es ein Vorteil die Hände z. B. auf dem Weg zum Kindergarten oder zum Spielplatz für die anderen Kinder frei zu haben. Das Baby in der Trage ist immer gut verstaut und man kann seine Aufmerksamkeit auf andere Dinge richten. Zudem ist man flexibel in der Bewegung.

Doch auch der Kinderwagen hat seine Vorzüge

So kann man Taschen und Einkäufe gut darin unterbringen und muss all die Sachen, die man mit Kindern immer so umher schleppt, nicht am Körper tragen. Manch einem Kind gefällt es auch sehr gut, sich warm eingekuschelt ein wenig die Straßen auf und ab schaukeln zu lassen und dabei in den Himmel schauen zu können.

Was ist denn nun besser?

Am besten ist das, was für die Eltern und die Kinder am meisten passt. Aus meiner Hebammensicht tut es Kindern gerade in den ersten Wochen und Monaten gut, viel Körperkontakt zu haben und möglichst viel Zeit dicht bei den Eltern zu sein. Darum ist das Babytragen sicher oft im Sinne des Babys von Vorteil. Doch es gibt auch Babys, die im Haus viel Körperkontakt zu ihren Eltern haben und dann unterwegs gerne einmal im Kinderwagen liegen. Dagegen ist natürlich nichts einzuwenden. Im Gegensatz dazu gibt es jedoch Kinder, die gar nicht gerne im Kinderwagen liegen mögen. Dann sind die Kinderwagenfahrten sowohl für die Babys als auch die Eltern eine Qual und das hilft letztlich niemandem. Kein Kind muss „lernen“ im Kinderwagen zu liegen oder sich daran „gewöhnen“. Es schadet nicht, wenn ein Baby nie im Kinderwagen lag.

Unsicherheiten sollten aus dem Weg geräumt werden

Manche Eltern würden ihr Kind gerne tragen, sind sich aber unsicher, was genau die beste Methode ist und worauf sie achten müssen. Hierzu kann entweder die Hebamme befragt werden oder eine Trageberaterin zu Rate gezogen. Ganz grundsätzlich gilt: das Babytragen ist nicht schädlich, wenn das Kind in einer guten Position in der Tragehilfe sitzt. Durch das Tragen wird ein Kind nicht im negativen Sinne verwöhnt, es wird ihm nichts Falsches anerzogen oder irgendwie geschadet – selbst wenn die Eltern das Kind Tag und Nacht tragen. Wichtig ist, dass die Eltern sicher sein können, dass das Tragen gut für ihre Kinder und sie selbst ist.

Das Babytragen soll dem Tragenden nicht weh tun und nicht unbequem sein

Die Art, wie das Kind getragen wird, hat einen sehr großen Einfluss darauf, wie bequem es für die Eltern ist. Leider gibt es nach wie vor viele Babytragen im Handel, die die Eltern an der Schultern einschnüren, das Gewicht ungünstig auf den Rücken der Tragenden verteilen oder schlichtweg unbequem sind. Gute Tragen müssen nicht teuer sein und die Suche nach der passenden Trage sollte nicht gescheut werden. Wenn das Kind optimal getragen wird, entsteht keine besonders große Belastung für den Tragenden.

Ganz gleich, welche Art zu tragen die Eltern wählen, es gibt folgende wichtige und immer gültige Empfehlungen: das Kind sollte ausschließlich mit dem Gesicht zum Tragenden getragen werden. Das Kind muss fest an dem Körper des Tragenden sitzen und die Beinchen müssen in einer Hock-Spreiz-Haltung sein. Der Kopf muss ausreichend gestützt sein. Das klingt komplizierter als es ist, versprochen!

Mit Freude schieben

Eltern, die Freude am Schieben ihres Kindes haben und deren Babys daran Gefallen finden, sollten darauf achten, dass das Baby im Winter im Kinderwagen nicht friert und im Sommer keine direkte Sonne abbekommt. Allerdings ist es keine gute Lösung, den Kinderwagen mit einer Decke zu verhängen – die Luftzirkulation kann dadurch beeinträchtigt werden und das kann gesundheitliche Folgen für das Kind haben. Besser eignet sich ein UV-undurchlässiges Sonnensegel oder ein leichtes, luftdurchlässiges Tuch.

Eine Kombilösung ist möglich

Tatsächlich lässt sich die Frage, was denn nun besser ist, nicht einheitlich und allgemeingültig beantworten. Es variiert von Familie zu Familie und von Situation zu Situation. Im Mittelpunkt sollten das Wohlbefinden des Kindes und auch der Komfort für die Eltern stehen.

Oft ist eine Kombilösung eine gute Möglichkeit. So kann das Baby im Tragetuch getragen werden und der Kinderwagen als Transportmittel für Gepäck dienen. Oder anders herum: solange das Baby im Kinderwagen glücklich ist, kann die Tragehilfe spazieren gefahren werden, und sobald das Baby nicht mehr darin liegen mag, wird es getragen.

 

 

Kommentare

Unser erstes Kind haben wir noch viel im Kinderwagen durch die Gegend geschoben, aber Nummer zwei und drei wurden bzw. werden fast nur noch getragen – auch bei längeren Wanderungen ist das mit einer bequemen Tragehilfe kein Problem. In den ersten Wochen fanden wir das Tragetuch super, danach eher etwas mit einem breiten Hüftgurt und gepolsterten Schulterriemen. Ausprobieren! Nirgendwo schlafen die Kleinen friedlicher als an Mamas oder Papas Brust…

Christian Meyn

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